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Zertifizierungen in der Technischen Keramik

Prinzipiell zielen Zertifizierungen in zwei Richtungen:

  1. Ein Hauptbereich umfasst die Zertifizierung von betrieblichen Managementsystemen (z.B. für das Qualitäts-, Energie- oder Umweltmanagement).
  2. Ein weiteres Gebiet erstreckt sich auf die Zertifizierung von eingesetzten Werkstoffen bzw. Produkten, ihre jeweilige Herkunft sowie Herstellung für sicherheitsrelevante oder sensible Einsatzgebiete (etwa bei Trinkwasser, Lebensmitteln oder Pharmaka). Hier geht es auch darum, dass die Herstellung von Produkten nach bestimmten Maßstäben (für keramische Standard-Bauteile, z.B. nach Größen, Durchmessern etc.) erfolgt.

Personen (mit ihrer speziellen Qualifikation) können gegebenenfalls ebenso zertifiziert werden.

Definition

Vom Grundsatz her ist eine Zertifizierung eine Bestätigung dafür, dass Unternehmen bzw. Organisationen bestimmte vorgegebene Standards oder Richtlinien (z.B. bzgl. Qualität und Umwelt) einhalten. Sie wird von unabhängigen Zertifizierungsstellen durchgeführt und kann sowohl national als auch international anerkannt und gültig sein, dies jedoch meist zeitlich begrenzt. Eine bestimmte Zertifizierung ist in der Regel Voraussetzung, um den Anforderungen der Kunden entsprechen zu können. Bei Industriekeramik beziehen sich die Zertifikate in der Regel auf den Geltungsbereich: „Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von keramischen Produkten“.

Zertifizierungsstellen wie zum Beispiel DQS, TÜV oder DEKRA vergeben die Zertifikate unabhängig. Sie werden in Deutschland ausschließlich durch die nationale Akkreditierungsstelle DakkS zugelassen. Diese handelt nach der EG-Verordnung 765/2008 und dem Akkreditierungsstellengesetz (AkkStelleG) hoheitlich im öffentlichen Interesse und nicht gewinnorientiert. Die DakkS ist alleiniger Dienstleister für Akkreditierung in Deutschland.

Zertifizierungen mit Relevanz für Unternehmen im Bereich technischer Keramik

Zertifizierung von betrieblichen Managementsystemen:

  • Die internationale DIN EN ISO 9001 Norm bestimmt die Anforderungen für Qualitätsmanagementsysteme sowie durchgängige Qualitätschecks in Betrieben. Ein Kernziel der ISO 9001 besteht darin, Vertrauen in die Produkte sowie Dienstleistungen zu schaffen und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.
  • Im Zuge der DIN ISO 14001 werden Anforderungen an Umweltmanagementsysteme zertifiziert. Hier geht es darum, den Umweltschutz systematisch zu managen, auf nachhaltige Ressourcen zu setzen sowie Klimarisiken zu vermeiden. Ebenfalls soll dabei der gesamte Lebenszyklus eines Produktes, von der Entwicklung über die Produktion bis zur Wiederverwertung oder endgültigen Entsorgung betrachtet werden.
  • DIN EN ISO 50001 umfasst Anforderungen an die Einführung, Realisierung und Optimierung von Energiemanagementsystemen.

Zertifizierung bei eingesetzten Werkstoffen bzw. Produkten:

  • DIN EN ISO 13485 bestimmt die Anforderungen für Qualitätsmanagementsysteme bei medizinischen Produkten. Für technische Keramik ist auch eine Zulassung für den FDA-konformen Einsatz wichtig (US Food and Drug Administration). Für den Einsatz im Food-Bereich muss hier auch nachgewiesen werden, dass Bauteile aus Keramikmaterialien „lebensmittelecht“ sind und ohne Besorgnis bei der Produktion, bei Verarbeitung und beim Verpacken von Lebensmitteln verwendet werden können. Darüber hinaus müssen sie auch gesundheitlich unbedenklich und geruchs- sowie geschmacksneutral sein.
  • ISO TS 16949 legt Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme für die Serien- und Ersatzteilproduktion im Bereich der Automobilindustrie fest.
  • DIN EN ISO/IEC 17025 umfasst allgemeine Kompetenzanforderungen an Prüf- und Kalibrierlaboratorien und Materialprüfungen. Unparteilichkeit und eine konsistente Arbeitsweise von Laboratorien sind hier ebenfalls geregelt.
  • AS/ASD 9100, die auf ISO 9001 basiert, ist wichtig für Unternehmen, die im amerikanischen Markt auf dem Gebiet der Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung produzieren.
  • UL-, cUL– beziehungsweise CSA – ist eine unabhängige Zertifizierungsorganisation im Bereich Produktsicherheit und wurde von der US Underwriter Association etabliert, um Prüfverfahren und Normen für Produktsicherheit festzulegen. Wichtig ist dies vor allem für Unternehmen, die für den amerikanischen Markt produzieren, wo die Produkthaftungsgesetze weitaus strenger als in Europa sind. Die UL/cUL-Anerkennung bezieht sich dabei stets auf alle Produktionsvorstufen, angefangen bei der Materialerzeugung über Verarbeitungsprozesse bis zum Inverkehrbringen. Für jede dieser Stufen muss ein entsprechender Nachweis erbracht werden. Gängig ist eine UL-Zertifizierung zum Beispiel für elektrische Bauelemente wie etwa Keramik-Chip-Varistoren zur Überspannungsbegrenzung oder SMD-Keramik-Kondensatoren.

Sogenannte hartballistische Keramik und Beschussklassen werden in der Regel nach der technischen Richtlinie TR 2008 zertifiziert, und zwar bei Schutzwesten nach den Klassen:

  • SK 1: Durchschusshemmend gegen Weichkerngeschosse, zum Beispiel für Schutzwesten gegen Bedrohung durch Handfeuerwaffen und Messerangriffe
  • SK 2: Durchschusshemmend gegen Hartkerngeschosse
  • SK 3: Durchschusshemmend gegen Munition aus Langwaffen
  • SK 4: Durchschusshemmend gegen Langwaffenmunition mit Hartkern und Vollmantel